Betreutes Reisen

Bevor wir über Italien nach Griechenland weiter fahren, müssen wir zuerst die Alpen überqueren. Das Hochgebirge im Herzen Europas mit einer relativ kleinen 640er Enduro zu passieren, kann im Oktober eine kleine Bewährungsprobe für Mensch und Maschine sein. Wohl dem, der in den Genuss von betreutem Reisen kommt!

Über dem Nontal liegt dichter Morgennebel als wir über kurvige Nebenstrassen flitzen.  Hier und da erheben sich trutzige Burgen aus den Schwaden. Traktoren zuckeln über die Wege – die Ernte ist in vollem Gange in Trentino und Südtitrol, wo jährlich 1,5 Millionen Tonnen Äpfel produziert werden. Allmählich bleibt die ausgedehnte Monokultur, welche 70% der italienischen und 15% der europäischen Gesamtproduktion liefern, hinter uns.

Kurze Zeit später brechen die mächtigen Gipfel des Brenta Gebirges aus der Wolkendecke hervor. Eine feine Schneedecke hat sich über Nacht auf die zackigen Gipfel gelegt, die jetzt im Sonnenlicht zu strahlen beginnen.

Schlemmen im Trentino

In den letzten Tagen haben wir einen strammen Ritt über die Alpen absolviert. Wir haben eine kurze Stippvisite bei unseren Freunden in Landeck eingelegt und besuchten Tommys KTM Shop Moto-City-West. Von der eisigen Fahrt über den Reschenpass durften wir uns dann bei Volker und Karin im Trentino erholen. Gemeinsam unternahmen wir einige Wanderungen zu sonnigen Almhütten, wo die kulinarischen Spezialitäten des Alto Adige am besten schmecken.

Besonders beeindruckend war die Veranstaltung „Antiche Terre„. Das Dörfchen Zambana Vecchia wurden 1955 von zwei gigantischen Erdrutschen zerstört. In den 80er Jahren errichtete man einen großen Schutzwall um die ehemalige Dorfkirche herum. Heutzutage ist der Ort auf dem alljährigen Foodfestival wieder voller Leben. In urigen Höfen und zwischen liebevoll geschmückten Gemäuern lässt sich deftige Polenta oder Strangolapreti, die „Priesterwürger“, geniessen. Und natürlich darf dabei auch ein Gläschen Wein nicht fehlen.

Volker, der uns heute noch ein Stück mit dem Motorrad begleitet, holt mich aus meinen Gedanken zurück. Er hat noch eine weitere Spezialität für uns parat, denn wir passieren San Lorenzo di Banale und nur hier gibt es die aussergewöhnliche Rübenwurst. Mit der Kochsalami im Gepäck geht es weiter über kurvige Landstrasse. 

Wir werfen einen kurzen Blick auf den Metzler Offroadpark,  wo man mit der Sportenduro unter spektakulärer Kulisse seine Runden drehen kann. Bald darauf taucht vor uns eine tiefblaue, von markanten Bergen eingerahmte Wasserfläche auf. Wir haben den Gardasee erreicht!

Durch den rauen Apennin

Jetzt verstaue ich endlich die dicken Handschuhe im Gepäck. Kurz darauf müssen wir uns von unserem Begleiter verabschieden, aber das betreute Reisen geht weiter. Wenig später stösst an einer Raststätte bei Modena unser holländischer Freund Rene zu uns.

Auf der SS 12 nehmen wir Kurs auf den Apennin. In schier endlosen Serpentinen schraubt sich das Strässchen immer höher in das Gebirge hinauf. Langsam senken sich wieder Nebelwolken auf die Berge und es fängt an zu dämmern, als wir Abetone auf 1388m erreichen. Doch alle Skiorte liegen wie ausgestorben da und weit und breit ist keine Übernachtungsmöglichkeit in Sicht. Mit müden und steifen Knochen fahren wir weiter, die vielen Kehren mit nassem Laub machen längst keinen Spaß mehr. Als wir in San Marcello di Pistoiese endlich eine kleine Herberge finden, kann ich kaum noch vom Motorrad krabbeln.

Der nächste Tag beginnt mit tiefblauen Himmel und sofort sind alle Mühen des Vortages vergessen. Wir gesellen uns zu den älteren Herren, die in der Sonne ihren Cappuchino schlürfen und beobachten das morgendliche Treiben im schmucken Ortskern.

Dann schwingen wir uns wieder in die Sättel. Noch bevor wir im Val d’Elsa ankommen, steigt mir ein vertrauter Duft in die Nase: diese Mischung aus Kiefern, Oliven, Sonne und Rauch ist für mich der Inbegriff der Toskana. Die Sonne strahlt, die Strecke durch sanfte Hügel ist wunderschön – Motorradfahren in Höchststimmung.

Sonnige Toskana

Wir nehmen uns die Zeit für einen kurzen Besuch des Geburtshauses von Leonardo da Vinci und nähern uns der Maremma. Hier braucht Markus kein Navi mehr, um die alte Verbindungsstrasse zwischen Siena und Grossetto zu finden, denn die Region ist uns bestens vertraut. Wir sind zwar gerade erst in Köln abgereist, aber es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen, als wir das Agriturismo Bettarello erreichen. Hier in der Homebase unserer Endurotouren lassen wir uns erst mal von Oma Tecla verwöhnen.

8 Kommentare bei „Betreutes Reisen“

  1. Das ist sicherlich die entbehrungsreichste Zeit für euch in Little Italy. Ab Afrika wird es sicher luxuriöser…..ich wünsche euch für euren weiteren Trip nur das Allerbeste, habt Spaß, bleibt gesund. Mögen die Motorräder durchhalten.

  2. Hallo ihr beiden 😊
    Schön von euch zu lesen … wir sind schon sehr gespannt auf die kommenden Berichte.

    Wir wünschen euch noch einen schönen Aufenthalt in eurer zweiten Heimat … genießt die Küche von Tecla und fahrt gestärkt weiter 👍🏻

    Liebe Grüße aus Deutschland

    Tim und Kerstin

  3. Weiterhin viel Glück und gutes Wetter wünscht dein Arbeits- und Biker-Kollege Uwe

  4. In der Ruhe und Entspannung liegt die Kraft…Weiter so, und moegen die Saettel gepolstert sein. Gruss vom letzten Winker und heutigem Ueberflieger.

  5. Viel Spaß, viele tolle Eindrücke und eine gute Reise weiterhin!

  6. Herzlichen Dank für alle lieben Wünsche viele Grüsse zurück!

  7. Christiane Grosse sagt: Antworten

    Da hätten wir ja glatt ein Weinchen zusammen trinken können 🙂 wir waren Anfang Oktober auch in Südtirol und ein paar Tage am Gardasee 🙂 Allerdings mit dem Womo, denn mit 3 Hunden Mopedtouren zu fahren geht nicht wirklich 😉 gute Fahrt weiterhin!!!!

    1. Ach, wie schade! Holen wir beim nächsten Mal nach 😉 Ich hoffe, ihr hattet einen tollen Urlaub! Viele Grüße

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