Griechenlands rauhe Bergwelt

Schon vor Monaten hatten wir uns ein Offroad Abenteuer in Griechenland vorgenommen.  Die 500 km lange Strecke durch einsame Berglandschaft hat unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen: traumhafte Landschaften, kulturelle Kleinode und außergewöhnliche Menschen.

Galaxidi, Griechenland,  2814 km

Nachdem wir das Video von Stefan Klabunde gesehen hatten, war sofort klar: da müssen wir hin! Nach der Ankunft in Igoumenitsa ging es deshalb Richtung Norden bis fast an die albanische Grenze. Nach wenigen Stunden erreichen wir die Vikos Schlucht, die sich bis 1000 Meter tief ins Pindos Gebirge eingegraben hat. Einige Steinhäuser drängen sich um einen lauschigen Kirchplatz. In der Umgebung soll es Geier, Adler, Wölfe und Bären geben.

Hier steigen wir in den Adventure Country Track (ACT) ein, der uns durch die Bergwelt Nordgriechenlands bis zum Golf von Korinth bringen wird. Die erste Etappe führt über einsame Nebenstraßen bis nach Metsovo. Alte Herren sitzen auf ihre Stöcke gestützt in den wärmenden Strahlen der Abendsonne. Die Suche nach einer Unterkunft ist nicht einfach, weil wir die griechischer Schrift nicht lesen können.

Von Schotter unterbrochene Strässchen fahren wir weiter durch die gebirgige Epiros Region. Kühe kreuzen träge die Fahrbahn, hier und da werfen uns Hirtenhunde einen gelangweilten Blick zu. Am Wegesrand verstecken sich kleine orthodoxe Klöster und antike Steinbrücken. Nach vielen Kilometern durch menschenleere Landschaft begegnen wir einer älteren Frau, die selbstgepflügte Kräuter und getrocknete Blumenkränze verkauft.

Hinter dem Plastiras-Stausee klettern die Motorräder steile Bergflanken hinauf. Der Asphalt schwindet mehr und mehr und hört schließlich ganz auf. Schließlich erreichen wir einen Pass inmitten von saftigen Wiesen, der Ausblick ist umwerfend. In den engen Serpentinen bergab traue ich mich nicht, in den schwindel erregenden Abgrund zu schauen. Wir passieren einige fast ausgestorben Bergdörfer, deren einziges Stück befestigte Strasse eine Fahrrine aus Felsquadern in der Ortsmitte darstellt.

Im  Verkehrsknotenpunkt Karpenisi zeugen leerstehende Geschäfte und Bauruinen von der Wirtschaftskrise. Unsere nette Gastgeberin hält sich mit Wochenend-Ausflüglern und Produkten aus ihrem Garten über Wasser. Obwohl in der Kleinstadt mitten im Agrafa-Gebirge ein Skizentrum entstehen soll, muss sie ihre Pension im Winter schliessen. „Das ganze Haus zu heizen, wäre einfach zu teuer,“ vertraut sie uns an. Auch in schwierigen Zeiten ist der hübsche Platz rund byzantinische Kirche Agia Triada abends ein beliebter Treffpunkt.

Am frühen Morgen ist die Piste nass vom Tau. Wir steuern die schwer beladenen Enduros über glitschige Steine und durch kleine Wasserläufe. Plötzlich hören wir dicht neben uns einen lauten Schuss. Jäger sind in den dichten Nadelwäldern unterwegs. Über einsame Wirtschaftswege gelangen wir auf ein Bergplateau auf 1700 m. Ein sonnengegerbter Hirte hebt grüßend die Hand. Ausser dem Blöken der Schafe und dem Bimmeln der Viehglocken hört man nur den Wind über die imposanten Höhen rauschen.

Um das Dorf Ano Chora zu erreichen, brauchte der Bus früher 5 Sunden von Nafpaktos. Die Strecke über Ginster überwucherte Strässchen und durch vergessene Weiler kommt uns heute nicht weniger beschwerlich vor. Der Besitzer der  liebevoll restaurierten Pension Kannaveiko hat lange in Athen einen guten Job gehabt, bevor er in das Haus seiner Großmutter  zurück kehrte. Verkörpert er einen der kürzlich in 3Sat beschriebenen Rückkehrer? Den Winter verbringt er jedenfalls nicht im Ort. Nur noch 9 der ehemals 900 Bewohner harren in der kalten Jahreszeit hier aus.   

Auf der Schotterpiste Richtung Südosten wird es schließlich mit jeder Kurve wärmer. Bald erkennen wir in der Ferne das Meer, dahinter erheben sich die Berge der Peloponnes im Dunst. Die rauhe Bergwelt weicht jetzt üppigen Olivenhainen. Unser nächste Etappenziel Athen ist nicht mehr weit!

 

 

 

Ein Kommentar bei „Griechenlands rauhe Bergwelt“

  1. Hallo Ihr Zwei,
    Das hört sich ja gut an, evtl als nächstes Urlaubsziel!😉
    Ich hoffe Euch geht’s gut, und Ihr genießt Die neue Freiheit.
    Schönen Gruß aus Portugal.
    Olli

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