Geduldsprobe Hafen

Der Hafen von Alexandria ist unter Afrikareisenden berüchtigt. Wer sein Fahrzeug hierher verschifft, sollte eine Menge Geduld und viel Bargeld mitbringen. Und ohne einen „Fixer“ geht gar nichts.

In den gängigen Internetquellen haben wir wenig Gutes über den größten ägyptischen Seehafen gelesen: undurchsichtige Kosten, die sich schnell zu schwindelerregenden Beträgen addieren, lange Wartezeiten und eine unvorstellbare Vielzahl von bürokratischen Hürden machen den Import eines Fahrzeuges schnell zur Tortur. Für die komplette Abwicklung der Zoll- und Einfuhrformalitäten braucht man eine Person, die sich bestens auf diesem Gebiet auskennt, einen sogenannten Fixer, bzw. einen Agenten.

Im Büro der Commercial Shipping Co. (CSC) erwarten uns zwei sympathische Frauen, die das Traditionsgeschäft des Vaters führen. Hania Khalifa spricht fliessend Englisch und Französisch und legt viel Wert darauf, uns die Prozedur der nächsten Tage und die damit verbundenen Kosten transparent zu machen. Zu unserer Überraschung ist auch unser Fixer eine Frau. Samar spricht zwar nur wenige Worte Englisch, aber sie sprüht vor Lachen und Energie, so dass die Verständigung leicht fällt. Achmed, der nubische Fahrer, macht das Action-Team komplett. Mit stoischer Geduld kurvt er uns in den nächsten Tagen kreuz und quer durch die von hupenden Autos verstopfte Innenstadt.

Um überhaupt Einlass in das Hafengelände zu bekommen ist schon ein gigantischer Berg von Antragformularen notwendig. Charmant drängelt sich Sammar an langen Warteschlangen vorbei und sammelt die Anträge an verschiedenen Schaltern zusammen. Ein erste Hürde ist bewältigt als wir beim ägyptischen Agenten von Neptune Lines die “Bill of Landing“ ausgehändigt bekommen. Das Dokument beweist, dass unsere Motorräder in Alexandria angekommen sind und ist essentiell für die Zollformalitäten.

Am nächsten Tag dürfen wir endlich das Hafengelände betreten. Unsere unermüdliche Fixerin schleust uns durch die Eingangskontrolle, die Papiermappe unter ihrem Arm hat jetzt schon eine beeindruckenden Umfang. Die Distanzen sind riesig, wir müssen uns im Gelände mit dem Taxi fortbewegen.

Sammar hat alles gut vorbereitet und ihre Kontaktleute in Stellung gebracht. Routiniert arbeitet sie sich durch die Amststuben. Bei dem einen scherzt sie, beim anderen ist sie streng, beim nächsten bittend, dann wieder macht sie Druck. Immer wieder gilt es Passkopien abzugeben, Formulare auszufüllen. Wir werden von Tür zu Tür gereicht, mal heißt es „Say Hello“, mal sollen wir uns diskret zurückhalten, dann Rückfragen beantworten, weitere Papiere unterzeichnen, manchmal werden wir aufgefordert „Thank you“ zu sagen. Der Papierstapel in ihrem Arm wird immer dicker. Samar verteilt geduldig Kopien, Anträge, Quittungen, Beglaubigungen, Wertmarken an unzählige Köpfe, die uns alle freundlich grüßen.

Wir folgen ihr atemlos durch ein Gewirr von Gebäuden, hasten durch endlose Gänge voller Menschen, warten im in lauten Gedränge. Eine Einladung zum Tee wird von einem ägyptischen Leidengenossen augenzwinkernd kommentiert: “Den werdet ihr brauchen hier!“

Unsere Geldbörse zücken wir im Halbstundentakt: Unloading Fees, Storage, Taxes, Port charges, Documentation outside port, Egyptian Traffic plate, Traffic license, Official receipts … die Liste der offiziellen Gebühren scheint endlos. Auch inoffizielle Gebühren wandern geschickt in Taschen und Schubladen verschiedenster Stellen.

Ägyptisches NummernschildNach 2 1/2 Tagen ist der Wahnsinn geschafft: wir besitzen einen ägyptischen Führerschein und unsere Motorräder sind ordnungsgemäss mit einem ägyptischen Nummernschild ausgestattet. Sammar fährt als Sozia mit mir zurück zum Hotel. Während mir im hektischen Durcheinander der Angstschweiß aus allen Poren strömt, berichtet sie ihrer Familie seelenruhig am Handy live über die Fahrt und winkt jedem, den sie kennt.

Das Team von CSC strahlen mit uns um die Wette vor Freude. Anderen Overlander können wir diesen Agenten wärmstens empfehlen. Die Gesamtkosten hielten sich in dem Rahmen, den Hania uns im Vorfeld genannt hatte und wir haben uns bestens betreut gefühlt.

Für uns heisst es jetzt: nach langem Warten können wir endlich unsere Motorräder wieder satteln. Hey ho, let’s go 2.0 !

 

2 Kommentare bei „Geduldsprobe Hafen“

  1. Was für ein Aufwand – aber jetzt kann es ja richtig losgehen. Freue mich schon auf den nächsten Beitrag.

  2. Liebe Jutta, das bild mit dem neuen ausweis und nummernschild gefällt mir sehr 🙂 gute weiterfahrt, freue mich auf die nächsten spannenden berichte und fotos – merci und lb grüße aus menden sister BHI

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