Wiege der Menscheit

Hadzabe jäger

In der Savanne des afrikanischen Grabenbruchs lernte der Homo Sapiens vor über 2 Millionen Jahren den aufrechten Gang. In Kenia, Tansania, Äthiopien und Südafrika weisen Spuren darauf hin, dass die „Wiege der Menschheit“ in Afrika liegt. Nur noch wenige Buschmänner leben wie unsere Vorfahren als Jäger und Sammler. Wir sind mit ihnen auf die Pirsch gegangen.

Iringa, Tansania, 20 800 km

Bei den Hadzabe

Unser Guide Alex hat sein chinesisches Moped extra für uns blitzeblank geputzt. Mit voller Fahrt kachelt er über die Schotterpiste, dass uns die Steine nur so um die Ohren fliegen. Je näher wir dem Eyasi See kommen, desto schmaler wird der Fahrweg bis wir schliesslich am Ende eines  kleinen Pfädchens anhalten.

Hadzabe schnitzt Pfeile
Viel Zeit wird für das Schnitzen von Pfeilen verwendet.

Zwischen mächtigen Granitfelsen haben die Hadzabe ihr Lager aufgeschlagen. Seit fast 10 000 Jahren leben die nomadischen Jäger und Sammler in der Dornbuschsavanne südlich von Ngorongoro-Krater und Serengeti. Von den schätzungsweise 1000 Angehörigen ihrer Volksgruppe leben nur noch wenige Hundert als kleine naturnahe Gemeinschaften. 

Alex ist schon immer von der Lebensweise der Hadzabe fasziniert gewesen. Er hat viel Zeit mit ihnen verbracht und ihre Sprache gelernt. Als wir uns an der Feuerstelle im Schatzen des Baobabaumes niederlassen, hilft uns Alex über die ersten peinlichen Minuten mit unseren Gastgebern hinweg. Wir sollen alle Anwesenden begrüssen. Die eigentümliche Klicksprache will uns nicht so recht über die Lippen kommen, aber unsere Bemühungen werden allseits mit freundlichem Lachen kommentiert. Gleich darauf wird Markus ein Haarschmuck aus Pavianfell auf den Kopf gesetzt und schon ist die Stimmung bestens.

Die Hadzabe jagen mit Pfeil und Bogen. In einem gestenreichen Schnalz- und Klickstakkato erläutert uns ein junger Mann die Handhabung und aufwendige Fertigung der speziellen Pfeile für unterschiedliche Wildarten. Der Pflanzensaft der Wüstenrose wird für Giftpfeile eingesetzt. Stolz zeigen uns die Männer dann, wie sie mit einem Holz Feuer entfachen. Wir brauchen selbst mit dem Feuerzeug deutlich mehr Zeit dafür.

„Die Bezeichnung „Hadzabe“ bedeutet „Wir Menschen“, erläutert uns Alex. „In kleinen, flukturierenden Gruppen ziehen die Leute durch den Busch. Alle sind gleichberechtigt, es gibt keine Hierarchien. Jeder besitzt nur so viele Dinge, wie er bei den langen Wanderungen selbst in der Hand tragen kann.“

Hadzabe Frauen
Die Frauen sind traditionell Sammletrinnen.

Zwischen den Geschlechtern herrscht eine klare Arbeitsteilung. Vor einigen kleinen Grashütten sitzen die Frauen. Die Errichtung der Schlafstätten ist Aufgabe der weiblichen Gruppenmitglieder. Sie sind ausserdem für das Sammeln von Früchten und Wurzeln zuständig. Doch momentan sitzen sie zusammen mit den Kindern gemütlich am Feuer und interessieren sich wenig für uns fremde Besucher. Als eine lange grüne Schlange die Felsen entlang gleitet, geraten in alle in Aufregung. Diese legt sich bald wieder als es den ersten Leckerbissen des Tages gibt: eine Springmaus wird im Feuer geröstet und unter einigen Frauen aufgeteilt.

Plötzlich drängen die Männer zum Aufbruch. Sie haben ihre Bogen geschultert, Alex trägt ein großes Beil. Jetzt geht es auf die Jagd! Unterhalb der Granitfelsen erstrecken sich dornige Büsche und schier undurchdringliches Gestrüpp. In der Ferne schimmert der Salzsee. Mit raschen Schritten traben wir hinein in die atemberaubende Landschaft.

Generell stehen Antilopen, Warzenschweine und Affen auf dem Speiseplan. Einen Pavian zu erlegen, verleiht dem Jäger besonderes Prestige. Doch wir sind spät dran, deshalb haben die Männer eher Vögel im Visier. Lautlos pirschen sie durch das Gehölz, ihre wendigen Ziele fest im Blick. Dann saust ein Pfeil durch die Luft und einer der Männer zeigt uns stolz seine Beute. Manche Tiere töten die Hadzabe mit einem Kehlbiss, doch den winzigen Webervogel hat das Geschoss schon dahin gerafft. Wenig später kommt die Axt zum Einsatz: Wildbienen haben sich in einem Baum verschanzt. Der Honig schmeckt köstlich und wird von den Männer direkt aus dem Stamm gelöffelt.

Die archaische Buschjagd ist aufregend und weckt uralten Instinkte bei uns. Zumindest kommen es mir so vor, obwohl wir kaum mit den Hadzabe Schritt halten können und jeder Elefant leiser durch die Savanne schreiten kann als wir zwei gerade. Ob die Hadzabe ihre traditionelle Lebensweise erhalten können, ist fraglich. Alex erläutert: „Das Land der Hadzabe verschwindet. Immer mehr Farmer lassen sich auf ihrem Gebiet nieder. Oft wissen sie gar nicht, dass hier noch Buschmänner leben.“

Aufbruch ins Ungewisse 

Lake Manyara
Ohne Regenwolken: der Manyarasee

Endlich hat die Regenzeit ein Ende! Auf unserer Fahrt Richtung Süden spannt sich ein strahlend blauer Himmel über weite Savannen und bizarre Baobabwälder. Unterwegs treffen wir auf weitere Zeugnisse früher Menschheitsgeschichte. Die Felszeichnungen von Kondoa sind eine der selten besuchten UNESCO Weltkultuterbestätten. Bei Iringa zeigt die archäologische Fundstätte Isimila, bis zu 260 000 Jahre alte Faustkeile. 

Die Stadt Iringa markiert einen Wendepunkt unserer Rundtour. Obwohl wir in Tansania seit fast drei Monaten gestrandet sind, haben wir spannende Dinge erlebt und viele Menschen ins Herz geschlossen. Normalerweise wären wir nun in südöstlicher Richtung weiter gefahren. Gerne hätten wir den traumhaft schönen Malawi See gesehen. Auch Mosambik mit seiner portugiesich geprägten Kultur und seinen Traumstränden war ursprünglich auf unserer Strecke fest eingeplant.

Doch wegen der Covid-19 Pandemie sind immer noch alle Grenzen geschlossen. Unsere einzige Chance weiter Richtung Süden zu kommen, scheint Sambia zu sein. Zwar ist auch hier die Einreise für Touristen offiziell noch untersagt, doch wir wollen unser Glück an einem kleinen, abgelegenen Grenzposten versuchen. Das bedeutet: fast 800 km zurück an den Tanganyikasee und in ein Abenteur mit ungewissem Ausgang fahren .

4 Kommentare bei „Wiege der Menscheit“

  1. Schön von euch zu hören und dem Herrn Körbel ein krachendes happy Birthday🥳! Wir drücken euch die Daumen für die Einreise nach Sambia und senden einen dicken Knutscher aus Kölle😘, Christa & Olli

  2. Markus Birthday hatte ich nicht auf dem Schirm, aber in diesem Zuge ein Kili oder so.
    Beeindruckend, so eine “ back to the roots Erfahrung „, klingt total spannend und macht demütig. Viel Erfolg bei Eurer neuen Covid Route.
    Steffen

  3. Kirsten kreuser sagt: Antworten

    Wird aber auch Zeit dass ihr aus Tansania rauskommt, sonst schlagt ihr da noch Wurzeln!
    Wünsche Euch Erfolg für Sambia, immer gute Frahrt und freue mich schon auf die nächsten Abenteuer.
    LG

  4. „Gleich darauf wird Markus ein Haarschmuck aus Pavianfell auf den Kopf gesetzt“
    FOTOS! Ich will Fotos davon!!!
    Ansonsten auch von mir dem Herrn Körbel nachträglich alles Gute!
    Gruß aus der Heimat
    Frank

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