Generalprobe

Staubige Gesichter, die KTMs röhren über zerfurchte Sandpisten, die Sonne brennt erbarmungslos, Schweiß fließt in Strömen, das Hirn kocht…. Die spannende Tour am Wochenende fühlte sich an, als wären wir schon in der Sahara unterwegs und war eine echte Generalprobe für Mensch, Material und Maschine.

Schlappe 37 Grad zeigt das Thermometer als wir uns in voller Fernreise-Montur auf die LC4 Adventures schwingen. Der Plan fürs Wochenende umfasst alles, was Enduristen glücklich macht: möglichst viel abwechslungsreiche Offroadpisten, neue Gegenden kennenlernen, Zelten im Grünen und ein paar kühle Biere am Abend. Zusammen mit Stefan Klabunde geht es auf eine Teilstrecke des TET durch die Niederlande und Belgien.

Generalprobe mit EndurobartDer Trans Euro Trail basiert auf einem sympathischen Community-Gedanken. Ein Team von Freiwilligen hat eine 38 000 km Route rund um Europa zusammengestellt. Den GPX Track kann man kostenlos herunterladen und auf eigene Faust abfahren, sofern man sich an einige, eigentliche selbstverständliche Grundregeln, den Code of Conduct hält.

Ganz nach TET-Motto: „Mit leichtem Gepäck vielfältige Eindrücke von Land und Kultur gewinnen“ starten wir Freitag abends in freudiger Erwartung. Endlich bekommen unsere KTMs mal wieder etwas Auslauf im natürlichem Habitat. Und wir sind gespannt drauf, was unsere „Dicken“ im Gelände alles draufhaben. In der Nähe von Eindhoven schwenken wir auf die TET-Route und sofort beginnen breite, sandige Feldwege. Zunächst fahren wir noch recht zögerlich, denn das Vorderrad der Mitas Dakar bricht im Sand ständig aus. Aber vom Sportenduro fahren wissen wir ja „Geschwindigkeit bringt Sicherheit“ und bald knattern wir flott und in dicke Staubwolken gehüllt über den zerfurchten Untergrund.

Es folgen einige spaßige Trails, bei denen die Adventures so tief in den Rillen verschwinden, dass man nur noch abwechselnd einige orange Schatten auf- und abtauchen sieht. Spätestens hier wird deutlich, dass meine Investitionen in das Fahrwerk meines Motorrads gut angelegt sind. Etliche Liter Kaltgetränke und viele Kiefernwälder später beweisen auch meine neuen Gepäcktaschen ihre Dichtigkeit, als ich mich durch ein tiefes Schlammloch pflüge und das komplette Heck mit stinkendem Modder überschütte.

Mittags werden wir von freundlichen Rentnern zur Pizza eingeladen und können zumindest die Füße in einem See kühlen. Mittlerweile machen uns die KTMs wieder ungemein viel Spaß. Im belgischen Teil der TET gibt es neben flotten Wirtschaftswegen mit festerem Untergrund auch einige lauschige Singletrails zu erkunden. Mit leichtem Gepäck vielfältige Eindrücke von Land und Kultur gewinnenSpontan legen wir eine weitere Nacht an der Ourthe ein. Auch hier ist das Bier herrlich kühl und die Flussnähe sorgt für eine angenehme Schlaftemperatur. Am nächsten Tag brummt die silber-orange Reisegruppe langsam zurück in Richtung Deutschland, aber von Offroad-Abenteuern haben wir längst noch nicht genug. Unterwegs nehmen wir dank Stefans Navigationskünsten noch einige kleine Pisten-Abstecher mit bevor sich unsere Wege kurz vor Köln trennen.

Um das Afrika-Feeling unseres Ausflugs perfekt zu machen, fehlten nur noch die wilden Tiere. Doch selbst die gab`s! In unserem Fall waren sie allerdings unsichtbar, haarig und ziemlich gemein. Anscheinend hat uns der Eichen-Prozessionsspinner einige stark juckende, großflächig geschwollene Andenken hinterlassen, mit denen wir noch viele Tage zu tun hatten. Aber das tat unserer Begeisterung für diesen schönen, gemeinsamen Ausflug keinen Abbruch. Und wer schon Hitze, Staub und giftige Raupen übersteht, wird es wohl auch durch Afrika schaffen!

8 Kommentare bei „Generalprobe“

  1. wie sieht es denn mit dem kühlen Bier in Afrika aus ?

    1. Ab Äthiopien sollte das ein oder andere Bierchen drin sein 🙂

  2. Olivier Anger sagt: Antworten

    Oh, hört sich gut an.
    Bin so zurück aus AUS, dann müssen wir uns nochmal treffen.
    Gruß Olli

    1. Sollten wir unbedingt! Spätestens zur Abschiedfeier in Köln am 28.9.!

  3. Hi Jutta, hi Markus,

    darf man fragen welche Sitzhöhe deine LC4 hat ? Die Fuhre geht doch sicherlich eher in Richtung Lowrider 😉
    Meine hat 104 cm Sitzhöhe…….
    Ach ja, hab ganz vergessen euch das Roadbook geraffel zu schicken, geht das noch ?
    Gruß vom „Squadra Germania del nord“

    1. Hi Squadra,
      kann ich dir momentan nicht genau sagen – das Moped ist aktuell mal wieder zerlegt und ich müsste messen. Auf jeden Fall habe ich mit meinen 165 und recht kurzen Beinchen jetzt guten Bodenkontakt. Ich war wirklich positiv überrascht, wie gut das unser Fahrwerks-Spezialist hinbekommen hat!
      Welches „Roadbook-Geraffel“ meinst du denn? Ich hab da wohl was nicht auf`m Schirm. Euer Fahrershirt kommt übrigens mit auf die Tour! Damit unser „stylo de guida“ auch gut bleibt 🙂
      Herzliche Grüße, Jutta

  4. Jutta,
    ich hatte mit Markus über das Geraffel gesprochen, frag ihn mal.
    Unser extrem stylischen Shirts gehen mit auf die Reise ?!. Tja, Qualität setzt sich immer durch. Da brauchen wir auf jeden Fall einige Beweisfotos wenn unser Zwirn Afrika erobert….

    Nochmaliger Gruß von der Squada Germania del Nord, die für 4 Wochen nach Italien startet 😁

    1. Buon divertimento!
      Das Roadbookgeraffel kannst du gerne noch bis Ende September schicken.
      Liebe Grüße, Jutta

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