Tiere beobachten

Kenia zählt zu den beliebstesten Reisezielen Ostafrikas. Nicht zuletzt die zahlreichen Nationalparks sind Anziehungsmagnet für vielen Touristen. Auch wir wollen es uns nicht nehmen lassen, von Dickhäutern und Großkatzen beobachtet zu werden.

Das fängt schon mal gut an: der kenianische Customs Officer und ich verstehen uns blendend – auch in Sachen Äthiopien. Während der Abwicklung der Zollvormalitäten bucht er telefonisch im nahe gelegenen „Members Club“ für uns ein Doppelzimmer. Die nette Pension im Niemandsland zwischen Äthiopien und Kenia verfügt über einen Biergarten und ein grundsolides Restaurant. Noch Abend und am kommenden Morgen informiert er sich über unser Wohlbefinden und wünscht uns eine angenehme Zeit in Kenia. Welch ein Auftakt…

Auf der Weiterfahrt durch den Norden des Landes staunen wir nicht schlecht. Normalerweise ist diese Region eine Steppe, in der Nomaden mit ihren riesigen Herden auf der Suche nach den wenigen Wasserlöchern umherziehen. Aber auch hier hat der Klimawandel zugeschlagen. Die Steppe ist grün trotz Trockenzeit und sämtliche Wasserlöscher sind prall gefüllt.

Auf der kaum befahrenen Straße habe ich um ein Haar ein größeres Hindernis übersehen. Ein unachtsamer Vogel Strauss tappt aus einem Gebüsch mitten auf die Fahrbahn. Nur mit einer Vollbremsung und blockierenden Reifen ist ein Crash zu vermeiden.

Apropos Tiere: Abgesehen von diversen Affen und drei Zebras hatten wir bislang von der Fauna Afrikas noch nichts vor Gesicht bekommen. Dies soll sich nun ändern. Denn auch der nördliche Teile Kenias verfügt über zahlreiche Nationalparks, in denen sich die Klassiker – von Elefanten bis Löwen – „herumtreiben“. Weiterer Vorteil ist, dass diese Parks kaum von Touristen besucht werden und man weit und breit der einzige Gast ist.

Tourist welcome!

Auf unseren drei Safaris im Marsabit, Buffalo Springs und Meru Nationalpark zeigen folglich auch zahllose Tiere darunter mehrere 100 Elefanten, Giraffen und Büffel großes Interesse, uns zu begegnen. Auch zwei Löwen, einige Nashörner und Hippos lassen es sich nicht nehmen, uns persönlich zu treffen. Einzig die Leoparden haben Besseres zu tun, als zwei tollkühne Überlandreisende aus nächster Nähe zu betrachten.

 

 

Keine Angst, ich lasse Euch in Ruhe.

Tief beeindruckt von den intensiven Begegnungen nehmen wir Kurs auf Nairobi, wo eine Menge „Orgakram“ auf uns wartet. Die Motorräder bedürfen einer Generalüberholung, Karten- und Reiseführer sind zu besorgen, Outdoorartikel zu kaufen etc.

Als Basis haben wir uns die Jungle Junction, das Overlandertreff, im wohlhabenden Süden Nairobis ausgesucht. Dieser Stadtteil mit seinen streng bewachten, eingemauerten Villen und schnieken Einkaufszentren kommt uns irgendwie surreal vor. Wir machen jedoch von den Annehmlichkeiten regen Gebrauch: Mal lecker einkaufen im Carrefour, nebenan bei Decathlon die benötigten Outdoorartikel beschaffen und dann flugs zum gut sortierten KTM und Husquarnahändler sich mit den fehlenden Ersatz- und Verschleißteilen eindecken.

Gerade mal fünf Kilometer vom Hort der Glückseligkeit entfernt liegt Nairobis größtes Slum Kibera, in dem nach Schätzungen bis zur einer Million Menschen leben. Unter erbärmlichsten Bedingungen muss hier der größte Teil der Bevölkerung mit weniger als einem Euro pro Tag über die runden kommen. Nairobi zeigt eindrucksvoll, dass Kenia zu den 10 Ländern mit den größten sozialen Gegensätzen auf der Welt zählt.

Nach einer Woche in dieser Metropole haben wir unsere Aufgaben erledigt und sind froh uns wieder in die Natur stürzen zu können. Ausgesucht haben wir uns hierfür der Lake Naivasha mit einem privat geführtem Naturschutzgebiet. Auch hier kommen die Tiere wieder voll auf ihre Kosten. Da es in dieser Region keine Raubkatzen gibt, dürfen wir mitten unter den Tieren unser Zelt aufstellen. So hat zum Beispiel eine Giraffenfamilie die Chance, uns aus nächster Nähe zu beobachten. Nach Sonnenuntergang müssen wir uns jedoch auf ungebetene Gäste einstellen.

Also, hier kommt ihr nicht durch.

Mitten in der Nacht werden wir von markerschütternden Gebrüll aus dem Schlaf gerissen. Wir trauen uns nicht das Zelt zu öffnen, sondern verharren in Schockstarre in unseren Schlafsäcken. Nach ein bis zwei Minuten hören wir ein Schnaufen, Grasrupfen und Wiederkäuen. Die Flusspferde haben den See verlassen und grasen direkt neben unserem Zelt – auch nicht schön. Den Hippos sei gesagt: Wer plant Touristen zu beobachten, sollte das Ganze mit mehr Fingerspitzengefühl angehen. So wird das nichts!

Bevor wir Richtung Victoriasee aufbrechen, legen wir noch einen Wandertag ein, der uns rund um den Krater des 2.700 Meter hohen Longonok Vulkans mit seinen großartigen Ausblicken führt. Abgerundet wird unser Keniaurlaub mit einem dreitägigen Inselaufenthalt auf Rusinga, einem kleinen Eiland im Victoriasee.

Dorfleben auf einer Insel im Victoriasee

Auch hier macht der Klimawandel der Betreiberin unserer Lodge schwer zu schaffen. Die starken Regenfälle in der Trockenzeit haben den Wasserstand des Sees dramatisch steigen lassen. Der hauseigene Strand ist dadurch verschwunden und die Anlage muss durch einen eilig aufgebauten Steinwall vor Überflutung geschützt werden.

 

 

Das Abschiedskomitee kurz vor der Weiterfahrt nach Uganda

In den knapp vier Wochen Kenia haben wir eine tolle Zeit mit netten Menschen und wunderbaren Naturerlebnissen verbracht. Nun sind wir heiß auf „Samba in Uganda„.

6 Kommentare bei „Tiere beobachten“

  1. Herr Wildenhayn sagt: Antworten

    Viele Späße weiterhin!

  2. Gut, dass ihr den Pferdchen nicht im Wasser begegnet seid, oder?
    Auf den Schreck ein Prost.
    Eigentlich wäre nach diesem Ausblick später auch ein Pogo in Togo fällig, aber das nur für die Älteren, deutsche Welle geschädigten.

  3. Weiterhin viel Glück und benehmt euch ordentlich wenn euch die vielen Tiere beobachten.

  4. Beate Hartmann_Ilg sagt: Antworten

    Hallo Weltenbummler,
    da fällt mir heute, 20.02.2020, weiberfastnacht in kölle und karnevalstrubel auch anderswo nur die frage ein: lieber vergnügt und jeck zwischen wilden tieren als tierisch wild zwischen jecken, oder ?????? Das kann nur aus dem sauerland kommen !!!!

  5. gestern in der lotta waren auch giraffen und zebras an der tränke ; ) Alaaf

  6. Relativ unverzeihlich ist es, wenn Frank Walter euch hinterher reist, sich zu verpissen.
    Wenigstens beweist Ihr noch Geschmack und besucht ein Land mit Schwarz Rot Gold in der Fahne. Wobei ich mich frage,wie die sich das 2x mehr leisten können wie wir hier. Nur so ein postkolonialer Gedanke meiner Seits. Aber egal. Beim nächsten Mal sprecht Ihr Eure Reiseroute etwas besser mit dem Bundespräsidialamt ab.
    Ein Aschekreuz aus Köln für Euer Seelenheil

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