Von Abu Simbel nach Wadi Halfa

Im Sudan wurde erst kürzlich der autoritär herrschende Präsident durch einen Militärputsch abgesetzt und bei monatelangen Protesten gab es viele Tote. Mittlerweile hat sich zwar eine Zivilregierung etabliert, aber unsere Nervosität wächst auf dem Weg von Abu Simbel nach Wadi Halfa.

Wadi Halfa, Sudan, 5134 km

Es ist noch dunkel und kein Mensch ist auf der Strasse als wir zum Pier fahren. Vollbeladene LKWs warten schon seit Tagen darauf, einen Platz auf der Fähre über den Assuan See zu ergattern. Wir mogeln uns an der Schlange vorbei in der Hoffnung, dass zwei kleine Enduros schon noch irgendwo dazwischen passen werden.

Doch das Eisentor kurz vorm Kai ist schon mit einer dicken Kette veschlossen. Geschäftiges Treiben dringt von der Anlegestelle herüber und wir schlüpfen kurzerhand durch eine Seitentür hindurch. Am Kai wird nicht lang gefackelt. Kaum hat der rostige Kahn angelegt, werden so viele Fahrzeuge hinauf manövriert wie eben geht. Es ist noch nicht 6 Uhr und wir legen mit lautem Knattern ab.

Der prächtige Felsentempel von Abu Simbel wurde 1968 in einer aufwendigen Aktion vor den Fluten des Nassersees gerettet. Ramses und Neftari bleiben im Dunkel zurück, während wir im Zeitlupentempo auf den Stausee hinaustuckern. 

Beim Fähr-Kapitän
Heidewitzka, Herr Kapitän!

Es weht ein kühler Wind über die Wüste im südlichsten und trockensten Teil Ägyptens. Wir freuen uns deshalb umso mehr, als ein Crewmitglied uns einen heissen Tee serviert. Gleich darauf winkt uns der Kapitän auf die Brücke, wo wir den Sonnenaufgang mit Premiumplatz geniessen können.

Weit und unwirklich erstrecken sich die blauen Fluten zwischen kantigen Wüstenbergen. Zwei Dämme stauen den Nil auf über 500 km Länge und schaffen so eine Wasserfläche, die 10mal so gross ist wie der Bodensee. Pelikane gleiten im goldenen Morgenlicht an uns vorrüber. Früher schifften Reisende von Assuan aus über den Stausee auf alterschwachen Booten, von denen einige unterwegs sanken. Heute setzt man von der östlichen Seite nach Questul über und so ist die schöne Passage viel zu schnell geschafft.

Wenige Kilometer weiter landeinwärts stauen sich wieder Lastwagen über viele Kilometer vor dem verrammelten Grenzübergang mitten in der Einöde. Unter den Wartenden erheben sich erst langsam die ersten Gestalten von ihren Pritschen. Ein Fahrer berichtet, dass er schon seit drei Tagen hier ausharre. Zumindest ist er gut ausgerüstet, denn er hat eine arabische Ausgabe von Immanuel Kant und jede Menge italienischen Espresso in seiner Transportkiste. 

Grenze bei Abu Simbel
LKWs an der agyptischen Grenze

Auch heute morgen lassen sich die Grenzer reichlich Zeit. Um überhaupt Einlass zu bekommen, muss man pro Person und Fahrzeug eine Gebühr entrichten. Viele Stunden später öffnet sich uns auf der anderen Seite ein rostiges Eisentor. „Welcome in Sudan!“ ruft uns ein Beamter lächelnd zu.

Auf unserer Route betreten wir mit dem Sudan das erste Land, das uns völlig fremd ist. Wir wissen noch wenig über den nordost-afrikanischen Wüstenstaat und verbinden seinen Namen vage mit Kriegen und Hungersnöten. Vor uns liegt die staubige Wüstenstrasse nach Wadi Halfa. Mit seinen eingeschössigen Betonbauten, die über eine sandige Ebene vertreut sind, macht der Ort auf den ersten Blick wenig her. Die Ansiedlung lebt hauptsächlich vom Grenzverkehr und -handel.

Sudanesisches Frühstück
Für die nächste Zeit unser Lieblings- Frühstück: frische Krapfen

Als wir durch am nächsten Morgen durch die unbefestigten Gassen schlendern, duftet es nach Weihrauch. Überall begrüssen uns die Menschen mit einem offenen, neugierigem Lachen.

An den Ständen der „Tea Ladies“ herrscht Betrieb. In bunte Stoffe gehüllte Frauen verschanzen sich hinter Metallschränken, auf denen eine bunte Palette von Kochutensilien aufgereiht ist. In aller Seelenruhe bereiten sie ihren Kunden ihre ganze persönliche Kaffee- oder Teemixtur mit Kardamon, Nelken oder Ingwer. 

Vor der Weiterfahrt müssen wir uns auf der Polizeistation registrieren lassen. Dort knüpfen wir sofort Kontakt zu drei reizenden weiblichen Handelsreisenden und dürfen für diverse Selfies posieren. Spätentens jetzt ist unsere erste Nervosität verschwunden und wir brechen in freudiger Erwartung Richtung Süden auf.

 

 

 

 

 

 

 

6 Kommentare bei „Von Abu Simbel nach Wadi Halfa“

  1. MEGA….aufgeregt reise und fieber ich mit euch mit😘! Viel Spaß und nen dicken Drücker von Christa

  2. Hallo Ihr beiden (Hallo Herr Kollege Kö.) wir verfolgen gespannt Eure Tour und freuen uns immer, wenn es neue Beiträge gibt. Wir hoffen Ihr genießt die viel zu lange Auszeit gut und freuen uns auf ein Wiedersehen in ´20. Somit ein schönes Weihnachtsfest in der Wüste und einen guten Rutsch über die Dünen ins neue Jahrzehnt!
    Viele Grüße von A. aus M.

  3. Hallo Jutta, es hört sich einfach toll an und ich freue mich „mit euch fahren zu dürfen“. In Samburu weiß man von eurem Kommen. Bis dahin fahrt weiter vorsichtig und genießt diese Reise und die vielen Eindrücke!!
    Liebe Grüße, Tatjana
    (von Capricorn Foundation)

  4. Ich kann mich den anderen Kommentaren nur anschließen.
    Passt auf Euch auf! Freue mich schon auf den nächsten Bericht.

  5. Hallo,
    ich will stark hoffen das euch die Team Norddeutschland Shirts auf dieser Reise begleiten dürfen ?!
    Gruß Markus

  6. Aber sicher! Es war bisher nur zu heiss, sie zu tragen 🙂 In Äthiopien koen sie bestimmt zum Einsatz.

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